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Kalkbrennen im Schwarzenbachtal

Ein Schulprojekt der Maurerlehrlinge des Berufsbildungszentrums Bruneck in Zusammenarbeit mit dem Verein "Kunstmyst"

In Südtirol wurde bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts Kalk gebrannt, um ihn als Baustoff einzusetzen. Heute noch  sind zahlreiche Ruinen von Kalköfen vorhanden. Einst  war eine Kalkgrube auf jedem Hof selbstverständlich.

Im Schwarzbach im Ahrntal wurde vor neun Jahren ein Kalkofen nach alter Bauweise erstellt, wo das Kalkbrennen nach alter Tradition heute noch durchgeführt werden kann. Die Fachlehrer Anton Oberhammer und Alois Steger stellten ein Schulprojekt auf die Beine, welches von Dir. Sigfried Steinmair auf Anhieb unterstützt wurde.

Die Lehrlinge der 2A & 2B Maurer des Berufsbildungszentrum Bruneck füllten den Brennofen unter Anleitung der Fachlehrer, Anton Oberhammer und Alois Steger mit Marmorsteinen, die vor Ort gesammelt und zerkleinert wurden.

Das Brennmaterial wurde  in den umliegenden Wäldern von den Schülern gesammelt, wobei, als kleiner positiver Nebeneffekt, auch der Wald aufgeräumt wurde.

Der Ofen musste über vier Tage und Nächte befeuert werden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Verein Kunstmyst und den Fachlehrern war äußerst wichtig, da die ständige Anwesenheit eines Verantwortlichen notwendig war. Der Brennvorgang forderte eine Temperatur von 1100 Grad Celsius, die langsam und kontinuierlich erreicht wurde. Diese Temperatur musste über einen Tag gehalten werden, um die vorhandene Feuchtigkeit aus den Steinen zu treiben. Damit halbierte sich das Gewicht der Steine und die Konsistenz veränderte sich.

Nach dreitägiger Abkühlung wurde mit dem Löschen des Kalkes begonnen. Dies bedeutet, dass durch Zugabe von Wasser an die gebrannten Steine eine chemische Reaktion stattfindet und das Material sich selbstständig auf ca. 100 Grad erhitzt. Die Farbe verändert sich von grau auf weiß. Anschließend wurde der fertige Kalk in einer Kalkgrube eingelagert, wo der Reifeprozess über mehrere Jahre stattfindet. Mit viel Eifer und Begeisterung verfolgten die angehenden Maurer und die Schüler der Fachschule Bau-Holz diesen Vorgang.

Der hergestellte Sumpfkalk soll für die Renovierung eines historischen Bauwerks verwendet werden. Für dieses „neue Projekt“ gibt es bereits Ideen.

Zurück auf der Schulbank wird das erlangte praktische Wissen in den verschiedenen Schulfächern schriftlich aufgearbeitet.

Dieses Projekt war ein beeindruckendes Erlebnis für die Schüler und gleichermaßen auch für die Lehrer. Beide Seiten konnten ihre Sozial- und Fachkompetenzen erweitern.

Der Hintergrund dieses Projektes war es, alte Fertigkeiten im Bauwesen aufzuzeigen und den Schülern näher zu bringen. Für die biologische Bauweise, die neuen Aufschwung erlebt, ist auch dieses spezielle Wissen notwendig. Die Zusammenarbeit von dem Verein Kunstmyst, dem Besitzer Herrn Josef Auer und der Fachgruppe Bau des Berufsbildungszentrums Bruneck machte dieses Kalkbrennen erst möglich.

Beeindruckt und überrascht von der anstrengenden körperlichen Arbeit zeugen wir Respekt unseren Vorfahren, für die diese Arbeit selbstverständlich war.

--> zum Pressebericht der Tageszeitung "Dolomiten" vom 17.11.2010

Bildergalerie Kalkbrennen

Hier finden Sie die einzelnen Bilder des Albums. Um eine vergrößerte Ansicht der Bilder zu erhalten, klicken Sie in das Bild.

  • 15.10.2010  //  Bild 01 // Feuer im Brennofen

    15.10.2010
    Bild 01

  • 15.10.2010  //  Bild 02 // Marmorstein als Rohmaterial

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  • 15.10.2010  //  Bild 03 // Brennholzbeschaffung

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  • 15.10.2010  //  Bild 04 // Beim Brennofen

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  • 15.10.2010  //  Bild 05 // Beim Brennofen

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  • 15.10.2010  //  Bild 06

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  • 15.10.2010  //  Bild 07 // Gruppenbild mit Direktor Sigfried Steinmair

    15.10.2010
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  • 15.10.2010  //  Bild 08 // Kalk löschen

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    Bild 08